StadtbefestigungMainbernheim

Stadtbefestigung Mainbernheim

Stadtbefestigung Mainbernheim

Die Stadtbefestigung kann besichtigt werden

Die ehemalige Mainbernheimer Stadtbefestigung umgibt die Altstadt des unterfränkischen Mainbernheim als Ringmauer mit Toren, Türmen und Grabenresten. Bis heute haben sich weite Teile der Anlage erhalten, die noch aus der Zeit der Stadterhebung aus dem Beginn des 15. Jahrhunderts stammt.

Geschichte+
Stadtgründung und Befestigungsbau+

Die Geschichte der Mainbernheimer Stadtbefestigung ist eng mit der Reichspolitik der Kaiser aus dem Haus Luxemburg verbunden, die das Dorf 1367 erwarben. Bereits seit dem Jahr 1172 besaß Bernheim als Reichsdorf eine besondere Stellung unter den Orten des Hochstifts Würzburg. Mit dem Übergang an die Krone Böhmens erhielten die Bewohner das Recht, eine Pfahlhecke und einen Wassergraben anzulegen. Ausschlaggebend für diesen Aufstieg war die Lage Mainbernheims an der Strecke zwischen Böhmen und Luxemburg. Erstmals als Stadt genannt wurde der Ort dann am 18. Januar 1367 in einer Urkunde König Wenzels von Böhmen.

Eine Stadtbefestigung aus Ringmauer, Toren und Gräben wurde erstmals in einer weiteren Urkunde Wenzels genannt. Am 8. August 1382 erhielt Mainbernheim von ihrem Herrscher das Markt- und das Stadtrecht offiziell verliehen. Außerdem sollten die Bewohner die Stadt „mit graben vnd anderley notlichen sachen“ ausstatten. Wichtige Grundlage für den Ausbau der Befestigung war das Marktrecht. Durch die regelmäßige Abhaltung von Märkten gelang es den Bewohnern die wartungsintensive Stadtmauer überhaupt zu unterhalten. Die Baulast trug, wie bei vielen anderen fränkischen Städten, die örtliche Bevölkerung und nicht der Stadtherr. Nach der Erteilung des Rechtes, eine Befestigung zu errichten, dauerte es allerdings noch einige Jahrzehnte, bis der Bau auch wirklich in Angriff genommen wurde. Robert Neußner vermutet, dass die heutige Ringmauer auf Vorgänger aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zurückgeht. Die Stadtbevölkerung beteiligte sich in Form von Hand- und Spanndiensten an der Aufrichtung der Mauern. Nachweislich wurde noch im Jahr 1425 an den Mauern gebaut. Im Jahr 1492 wurde das steinerne Untergeschoss des Unteren Tores fertiggestellt. Im Angriffsfall war die Stadtbevölkerung zur Verteidigung verpflichtet. Hierzu lagerten im Pulverturm auf der Nordseite der Mauer Gewehre und Hakenbüchsen, die an die Stadtbewohner verteilt wurden. Daneben stellte die Stadt außerdem einen hauptamtlichen Türmer an, der im Oberen Tor wohnte. Die Mainbernheimer Stadtbefestigung hatte aber, neben der realen, militärischen Funktion auch einen großen symbolischen Nutzen. Sie diente potentiellen Feinden als Abschreckung und bildete zugleich das sinnfälligste Stadtmerkmal Mainbernheims. Am 7. Dezember 1494 wurde die neue Stadtbefestigung von den Truppen des Anton von Bibra und des Neidhard von Thüngen allerdings überwunden, die daraufhin sechs Jahre lang über die Stadt herrschten.

Niedergang und Tourismus+

Die Mauer verlor spätestens im Dreißigjährigen Krieg ihre Verteidigungsfunktion. Den modernen Geschützen der kaiserlichen Soldaten konnten die Anlagen Mainbernheims nichts entgegensetzen. Nichtsdestotrotz war die Stadt während der kriegerischen Auseinandersetzungen ein Fluchtziel für verschiedene Bevölkerungsgruppen aus der Umgebung, die ganz ohne solche Sicherungsanlagen auskommen mussten. Deshalb wuchs die Stadtbevölkerung während des Krieges auch zunächst. Dennoch büßten die Sicherungsanlagen im Laufe des 17. Jahrhunderts an Bedeutung ein. Während der Belagerung von 1690, als die Stadt versuchte, die althergebrachte Reichsfreiheit wieder herzustellen, kam der Angriff der Truppen des Markgrafen von Ansbach allerdings vor der Befestigung zum Stehen. Es kam zur Belagerung. Schließlich sprengten sich die Angreifer einen Weg durch die Befestigung und drangen in die Stadt ein. In der Folge investierte man kaum noch in die Anlagen. Lediglich die beiden Tortürme wurden ausgebaut. Beide hatten als Zollstellen auch eine große Bedeutung für Mainbernheims Wirtschaft. Sie waren die „Nadelöhre“, durch die Waren in die Stadt gelangten. Während in vielen anderen fränkischen Städten im 19. Jahrhundert der Verkehr für den Abbruch insbesondere von Stadttoren sorgte, weil die Enge der Durchfahrten Verkehrsunfälle provozierte, blieben die beiden Toranlagen von Mainbernheim bestehen. Der Stolz der Stadtbevölkerung wird auch auf den in den 1920er Jahren gedruckt Notgeldscheinen deutlich, auf denen der Obere Turm abgebildet ist. Für den Erhalt sorgte auch der Bau einer Umgehungsstraße, die im Jahr 1938 eingeweiht werden konnte. Fortan wurde der Verkehr um Mainbernheim herumgeleitet. Diese Entlastung der Altstadt führte zugleich dazu, dass die Stadtbefestigung der Nordseite mit ihren Turmanlagen zu einem beliebten Fotomotiv für Touristen aufstieg. Lediglich nördlich der evangelischen Pfarrkirche verschwanden Mauerteile und mehrere Türme. Der wachsende Tourismus im Kitzinger Land war einer der Gründe, warum der Stadtrat in den 1970er Jahren entschied, die Stadtbefestigung umfassend zu renovieren. Eine besondere Rolle bei der Vermarktung der ehemaligen Befestigungsanlagen spielen heute die Grabengärten, die im 18. Jahrhundert im zugeschütteten Stadtgraben entstanden und an die Bürger verpachtet wurden. Heute sind weite Teile der ehemaligen Stadtbefestigungsanlagen vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als Baudenkmal eingeordnet, untertägige Überreste von Vorgängerbauten werden als Bodendenkmal vermerkt. Die Befestigung bildet ein bedeutendes Element des Ensembles Altstadt Mainbernheim.

Tore+

Als klassische Zweitorestadt konnte Mainbernheim in Mittelalter und Früher Neuzeit lediglich über zwei Wege betreten werden. Die Tore in Richtung Kitzingen bzw. Nürnberg erhielten hier keinen umgangssprachlichen Namen, sondern wurden nach ihrer Lage in Verhältnis zur dahinter verlaufenden Herrnstraße benannt. Lediglich das Obere Tor erhielt eine Alternativbezeichnung. Die Tore hatten Verteidigungsfunktionen, so konnten sie lediglich mit einer Zugbrücke über den davor liegenden Graben erreicht werden und bildeten zugleich die Zollgrenzen der Stadt.

Oberes Tor+

Das Obere Tor (auch Weidter Turm) entstand um 1400. Die steinerne Durchfahrt geht wohl noch auf diese Zeit zurück. Nach dem Dreißigjährigen Krieg, in dem Mainbernheim vor größeren Zerstörungen verschont blieb, ließ man den Turm umbauen. In der Folgezeit büßte das Tor seine militärische Bedeutung zunehmend ein. Deshalb zogen im Jahr 1777 mehrere Familien im Turm ein, der zuvor eine weitere Umbauphase erlebt hatte. Im Oberen Tor lebte daneben außerdem noch der Türmer, der die Stadtbevölkerung vor Feuer zu warnen hatte. Die Anlage präsentiert sich als fünfgeschossiger Rechteckturm. Sein charakteristisches Äußeres erhält der Turm durch das oberste Geschoss. Es wurde über rechteckigen Unterbau als oktogonaler Aufsatz ergänzt. Das Obergeschoss ist im Stil des markgräflichen Barock reich gegliedert und weist Lisenen und Okuli auf. Die Durchlichtung wird über schlichte Rechteckfenster ermöglicht. Über dem obersten Geschoss erhebt sich ein Mansarddach, in dem hölzerne Dachgauben untergebracht wurden.

Unteres Tor+

Das Untere Tor wurde in den Jahren 1408 bis 1414 aufgerichtet. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Untere Tor allerdings erst im Jahr 1492. Damals wurde das gotische Untergeschoss renoviert bzw. erneuert. Die Arbeiten zogen sich bis in das beginnende 16. Jahrhundert hin. Im 17. Jahrhundert stattete man die Anlage mit einer Art Vorwerk aus.

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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: Reinhold Schulz

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Lage: 49.7104, 10.2176