StadtbefestigungDettelbach

Stadtbefestigung Dettelbach

Stadtbefestigung Dettelbach

Die Stadtbefestigung kann besichtigt werden

Die ehemalige Dettelbacher Stadtbefestigung umgibt die Altstadt des unterfränkischen Dettelbach als Ringmauer mit Türmen, Toren und Grabenresten. Bis heute haben sich weite Teile der Anlage erhalten, die noch aus der Zeit der Stadterhebung an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert stammt.

Geschichte+
Stadterhebung und -befestigung (bis 1631)+

Die Entstehung der Stadtbefestigung von Dettelbach ist eng mit der Entwicklung der Kernstadt verbunden. Lange Zeit besaß Dettelbach keinen städtischen Charakter, sondern präsentierte sich als dörfliche Siedlung. Bereits seit karolingischer Zeit bestand ein königlicher Meierhof auf der höchsten Erhebung im heutigen Stadtgebiet, der Kirchenzinne. Im Laufe des Hoch- und Spätmittelalters befestigten die Ritter von Dettelbach den Berg und bauten eine Burg, ihren Stammsitz, an die Stelle des ehemaligen Rentamtes. Das Dorf war zu dieser Zeit vielleicht mit einer Hecke und einem Graben umgeben (Dorfhag). Diese erste Befestigung wurde erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ersetzt. Der Würzburger Bischof Rudolf II. von Scherenberg förderte während seiner Regierungszeit das Dorf Dettelbach und ließ ihm 1484 durch Kaiser Friedrich III. das Stadt- und Marktrecht verleihen. Kurze Zeit später begann wohl auch der Bau der Stadtmauer, die die zur Stadt gewordene Siedlung auch äußerlich von ihrem Umland unterschied. Die ältere Literatur verweist allerdings darauf, dass eine unvollkommene Befestigung schon früher bestand. So soll der Mainstockheimer Turm an der Südwestecke auf das Jahr 1453 zurückgehen. Der Unterhalt der Stadtbefestigung lag weitgehend in den Händen der Stadtbevölkerung, nachdem sie das Marktrecht erhalten hatte. Deshalb erscheint die Befestigung urkundlich erstmals in einer Bürgermeisterrechnung der jungen Stadt. 1532 ist von den fünf „Torschließern“ die Rede, die einen Jahreslohn von 5 Gulden bekommen sollten. Bereits damals bestanden also die ursprünglich fünf Tore als einzige Durchlässe. Die Ummauerung war 1532 weitgehend fertiggestellt. Wahrscheinlich wurde 1550 das Faltertor erstmals renoviert. Die in der Urkunde genannten Torschließer hatten eine bedeutende Rolle zur Aufrechterhaltung der Geschlossenheit der Befestigung. Sie öffneten die Tore im Morgengrauen und schlossen sie wieder bei Sonnenuntergang. Ihnen oblag außerdem die Überwachung des die Stadt erreichenden Verkehrs, der insbesondere die Ost-West-Achse von Würzburg bzw. Bamberg kommend tangierte. Bei Nichterfüllung ihrer Pflicht wurden die Torwächter zu hohen Geldstrafen verurteilt. 1641 wurde der Torschließer des Brückertores sogar in den Herrenturm gesperrt. Die erste kriegerische Auseinandersetzung erlebten die Befestigungen wohl schon im Deutschen Bauernkrieg 1525, als Stadtschwarzacher Bauern sich mit den Dettelbacher Ackerbürgern verbündeten und gemeinsam gegen Würzburg zogen. Im Dreißigjährigen Krieg, etwa 100 Jahre später, hatte die Umwehrung der Stadt ihre Verteidigungsfunktion weitgehend eingebüßt. Den modernen Geschützen der Kriegsparteien konnten die mittelalterlichen Befestigungen nichts entgegensetzen. So öffnete die Bevölkerung 1631 den protestantischen Schweden kampflos ihre Stadt.

Auflösung der Befestigung (bis heute)+

In der Folgezeit investierten die Verantwortlichen nichts mehr in die veralteten Anlagen. Die Tore dienten allein als Zollstätte, wo der Warenverkehr für den örtlichen Markt versteuert wurde. Die Folge war ein Verfall der weniger repräsentativen Teile der Befestigung. So parzellierte man 1777 den Graben, der an vielen Stellen mit Wasser gefüllt war, und legte hier Gemüsegärten an. Zugleich verschwanden viele der kleineren Maueraufsätze und Türme, von denen ursprünglich einmal 52 bestanden haben sollen.

1857 beklagte ein Chronist, die Mauern „sind größtenteils ruinös“. Die Verantwortlichen versuchten allerdings die charakteristischen Türme zu retten, indem man sie an Privatleute verkaufte. In der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die markanten viereckigen Holzaufbauten oberhalb der mittelalterlichen Turmstümpfe. Hier konnten Arme und Tagelöhner leben. Die wachsende Stadt dehnte sich bis nahe an die Befestigung aus; die Mauern wurden teilweise mit Scheunen und Schuppen überbaut. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auch der wachsende Verkehr zu einem Problem für die Überreste der Befestigung. Insbesondere das Neutor und das Steigtor an der Straße zwischen Würzburg und Bamberg behinderten die Fuhrwerke. Erste Klagen gab es 1844. Zwischen 1872 und 1873 wurden deshalb drei der fünf mittelalterlichen Tore eingerissen. Das Brückertor überstand wohl, weil es bereits 1833 an Privatleute veräußert worden war und ein Hausbrand eine weitere Bresche in die Befestigung geschlagen hatte. Der junge Denkmalschutz wurde erst 1903 auf die Befestigung aufmerksam und rettete das Faltertor vor dem Abbruch. Im Jahr 1887 wandelte die Stadt die südlichen Teile des Grabens zur sogenannten Anlage um, einen Rundpark für die örtliche Bevölkerung. Zu dieser Zeit wurden weite Teile des noch erhaltenen Grabens verfüllt. Gleichzeitig veränderte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Umgang mit dem Baudenkmal Stadtbefestigung. Obwohl einzelne Türme immer noch vom Abriss bedroht sind, konnte sich das Ensemble in seiner Gesamtheit erhalten. Hierzu trug auch der wachsende Fremdenverkehr nach dem Zweiten Weltkrieg bei. Ab den 1970er Jahren investierte die Stadt immer wieder Geld in die Renovierung und Instandhaltung besonders repräsentativer Mauerabschnitte. Die Standorte der ehemaligen Tore wurden mit Kunstwerken von örtlichen Bildhauern kenntlich gemacht. Heute bildet die Dettelbacher Stadtbefestigung die Begrenzung des Ensembles Altstadt Dettelbach. Die meisten erhaltenen Tore, Türme und Mauerreste wurden als Baudenkmal vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege unter Schutz gestellt. Untertägige Überreste von Vorgängerbauten sind als Bodendenkmal vermerkt.

Tore+

Dettelbach hatte insgesamt fünf Tore – ein sechstes in die Vorstadt Kühngasse könnte bereits 1631 zerstört worden sein –, die zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert die einzigen Zugänge in die Altstadt darstellten. Besonders bedeutsam für die wirtschaftliche Entwicklung waren das Steig- und das Neutor, die in Richtung Würzburg bzw. Bamberg wiesen. Alle Tore hatten Verteidigungsfunktionen, so konnten sie lediglich mit einer Zugbrücke über den davor liegenden Graben erreicht werden und bildeten zugleich die Zollgrenzen der Stadt. Die meisten Tore verschwanden in den 1870er Jahren, heute haben sich lediglich das Falter- und das Brückertor erhalten.

Faltertor+

Das Faltertor gilt als das bedeutendere der beiden erhaltenen Tore. Es begrenzt die Altstadt im Nordosten an der nach ihm benannten Falterstraße und war früher für den aus Volkach und Sommerach kommenden Verkehr zuständig. Nachdem das Tor wahrscheinlich 1532 fertiggestellt war, wurde es bereits 1550 renoviert. Damals brachte man auch das Wappen des Würzburger Fürstbischofs Melchior Zobel von Giebelstadt am Gebäude an. Die Zollfunktion des Tores wurde mit dem Bau eines kleinen Zollhäuschen unterstrichen, das 1888 abgerissen wurde. Nachdem die für den Verkehr wichtigeren Tore 1872 und 1873 abgerissen worden waren, beriet der Stadtrat 1899, das Faltertor ebenfalls zu entfernen. Nur dem Eingreifen des damaligen Generalkonservatoriums des Königreich Bayerns, des Vorgängers des heutigen Landesamtes für Denkmalpflege, ist der Erhalt des Tores zu verdanken. In der Folgezeit wurde das Ensemble aus Faltertor und benachbartem Männerturm zu einem beliebten Postkartenmotiv. Seit den 1960er Jahren besteht im Torturm das Kolping- und Handwerkermuseum Dettelbach. Der Falterturm präsentiert sich als dreigeschossiger Rechteckbau mit Walmdach. Er schließt mit einer metallenen Turmspitze ab, die allerdings mit Ziegeln umgeben wurde und dem Turm sein markantes Äußeres verleiht. Ein rundbogiger Durchgang dominiert das Erdgeschoss. Auf der Stadtseite wurde ein kleiner Treppenturm an den eigentlichen Torturm angebaut; er erschließt das Museum im Obergeschoss. Wegen der Nutzung als Wohnhaus und Museum wurde die ursprüngliche Fensteraufteilung verändert.

Brückertor+

Das Brückertor (auch Brücker Tor, Brückenturm) befindet sich im Norden der Dettelbacher Altstadt in der Eichgasse am Dettelbach. Durch dieses Tor ging es in den heutigen Ortsteil Brück, von dem es seinen Namen hat, und von hier erreichte der Verkehr aus Richtung Prosselsheim den Dettelbacher Markt. Indirekt wurde auch das Brückertor 1532 erstmals genannt. 1833 wurde es an Privatleute veräußert. Allerdings behielt sich die Stadt die Nutzung des Tordurchgangs vor. Die Lage des Tors an einer lediglich regionalen Verbindung und der frühe Verkauf trugen dazu bei, dass der Bau erhalten blieb. Ebenso war hierfür ein Brand im Jahr 1897 ausschlaggebend: Durch die Katastrophe konnte weiter westlich eine Bresche in die Mauer geschlagen werden, sodass das Tor in eine Abseitslage geriet. Das Tor ist heute noch bewohnt, eine umfassende Renovierung fand zu Beginn des 21. Jahrhunderts statt. Es präsentiert sich als zweigeschossiger Satteldachbau mit Fachwerkobergeschoss.

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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: Mobile Geschichte

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Lage: 49.8021, 10.1622