KircheDinkelsbühl

St.-Georgs-Kirche

St.-Georgs-Kirche

Die Kirche kann besichtigt werden

Die römisch-katholische Stadtpfarrkirche St. Georg in Dinkelsbühl, einer Stadt im mittelfränkischen Landkreis Ansbach (Bayern), ist eine spätgotische Hallenkirche. Inmitten der Stadt gelegen, wurde das Münster in den Jahren 1448 bis 1499 nach Plänen von Niclaus Eseler erbaut. 2018 wurde das Gebäude zum Denkmal nationaler Bedeutung erklärt.

Baugeschichte+
Vorgängerbauten+

Eine Vorgängerkirche mit wohl rechteckigem Chor, von der 1977/78 Steinfundamente aufgedeckt wurden, stammt vermutlich aus der Zeit 1142/46 und war wahrscheinlich St. Ursula geweiht. Um 1227 wurde ein freistehender Glockenturm (Kampanile) mit einer repräsentativen Turmhalle und romanischem Rundbogenportal ohne Tympanon errichtet. Er wurde um 1238 aufgestockt sowie mit dem Kirchenraum verbunden. Eine Erweiterung des Rechteckchors und sicherlich eine Weihe für St. Bartholomäus erfolgten nach 1302. Diese Kirche wich 1323 bis 1341 einem Neubau von 70 m Länge mit gotischem Chorschluss und war nachweislich bereits St. Georg geweiht. Ersetzt wurde sie durch die Überbauung mit dem Münster 1448 bis 1499. Für die an beiden Seiten verbreiterte und verlängerte, dreischiffige Hallenkirche kam der neue Turm nur im Erdgeschoss zur Ausführung, der alte Turm wurde bis ins Jahr 1550 aufgestockt.

Heutiger Kirchbau+

1448 wurde der Grundstein des heutigen Baus gelegt; das belegt die Inschrift an einem Chormittelpfeiler außen. Der Text ist auf fünf Zeilen verteilt und lautet:

Anno Domini MCCCC und im XXXXVIII jar uf aftermontag nach mit vasten ward der erst stain gelegt „Im Jahr des Herrn 1448 am Dienstag nach Mittfasten (5. März 1448) wurde der erste Stein gelegt.“ Zwischen der Bauinschrift und der Konsole mit der Baumeisterbüste Niclaus Eselers befindet sich eine einzigartige Doppelsonnenuhr, die älteste Ost-Sonnenuhr Europas, die um 1450 entstand. Um in der Bauphase die Kirche weiterhin nutzen zu können, wurden erst der Chor und später das Langhaus mit ihren Nachfolgebaueinheiten umbaut und dann abgerissen. 1469 wurde die neue Westfassade erstellt; ein geplanter neuer Turm an der Nordseite ist nur als Stumpf ausgeführt. Auch der Dachstuhl wurde in zwei Abschnitten errichtet, zuerst der westliche Teil über dem Langhaus und erst 20 Jahre später der östliche über dem Chor. Noch vor Beginn der Einwölbung 1492 weihte der Augsburger Weihbischof Ulrich am 17. Oktober 1488 die Kirche. Nach 51 Jahren Bauzeit konnte die Kirche im Jahre 1499, zwei Jahre nach der Weihe des Hochaltars, als vollendet erklärt werden. Ab 1530 wurde der Turmstumpf an der Nordseite der Kirche durch einen Ziegelaufbau mit Pultdach ergänzt. Zehn Jahre später wurde der Westturm um ein Glockengeschoss erhöht. Weitere zehn Jahre später erhielt der Westturm ein zweigeschossiges Oktogon und eine Kupferhaube als Abschluss. Etwa um die gleiche Zeit entstanden zwei der vier Kapelleneinbauten, die beiden anderen erst Anfang des 18. Jahrhunderts. Ein Kirchengestühl, von dem noch Teile erhalten sind, wurde um 1686 eingebaut. Aus der gleichen Zeit stammen die Türen der Seitenportale, die zwischen 1691 und 1726 datiert werden. Ludwig der I. von Bayern veranlasste 1845 bei einem Besuch einen Umbau der Kirche im Sinn einer Purifizierung, die ab 1856 realisiert wurde. Dabei wurden die äußeren Anbauten zwischen den Strebepfeilern sowie im Inneren die Barockaltäre, Grabmäler und hölzerne Emporen entfernt. Stattdessen wurden bis 1898 neugotische Altäre angefertigt und zwei bunte Glasfenster eingebaut. Auch die Kanzel wurde einschließlich der Neuanfertigung der Steintreppe renoviert. Seit 1970 wurde die Außenfassade der Kirche renoviert und 1984 die Nordseite mit Turm und Pfarrhofportal fertiggestellt. Als wichtige Vorbildbauten für die St.-Georgs-Kirche dienten St. Martin in Landshut, St. Sebald in Nürnberg, St. Jakob in Neisse, St. Mauritius in Olmütz und St. Jakob in Brünn.

Baubeschreibung+
Innenbau und Grundriss+

Die St.-Georgs-Kirche besitzt eine Vorhalle, die sich fensterlos an den Eingang zur Kirche anschließt. Das Kircheninnere zeigt sich als dreischiffige Hallenkirche, bei der alle drei Schiffe die gleiche Höhe besitzen. 22 freistehende achteckige Pfeiler, die das Netzgewölbe tragen, trennen Haupt- und Nebenschiffe. Über dem Mittelschiff befindet sich eine Segmentbogentonne, die Seitenschiffe überspannt jedoch eine Spitzbogentonne. Das Langhaus zählt zehn Joche bis zum Binnenchor, der die Form eines halben Sechseckes besitzt. Dahinter findet man den Chorumgang, der mit sechs Flächen eines Zwölfecks ausgeführt ist. Der Übergang von den Seitenschiffen in den Chorbereich ist nahezu nahtlos. Lediglich eine leichte Bodenerhöhung betont den inneren Chorbereich etwas. Im Chorumgang stellen die stärker ausgeführten Gurtrippen zwischen den Wandpfeilern und den gegenüberstehenden vier Pfeilern des Binnenpolygons, die das Gewölbe in drei fünfeckige Felder gliedern, eine Besonderheit dar. Die Wandpfeiler der Kirche werden von vierbahnigen Spitzbogenfenstern unterbrochen, circa 4 m über dem Fußboden beginnend und fast bis unter das Gewölbe reichend. Die Wände sind ansonsten glatt gestaltet und die Wandpfeiler sind einzig senkrecht vorgelegt, um eine Betonung zu schaffen. Alle Fenster haben unterschiedliches Maßwerk, wobei sich wirklich kein einziges in den 26 Fenstern wiederholt. Neben dem Zugang durch den Westturm besitzt die Kirche noch vier weitere Zugänge, welche sich jeweils rechts und links an die Seitenschiffe im ersten und im sechsten Joch anschließen. An das achte Joch schließt sich die Sakristei an, die früher als Nordturm geplant war, was bereits im Grundriss an den sehr dicken Mauern zu erkennen ist. Auch im Westen lässt sich der Turm deutlich im Grundriss durch die dicke Mauerführung ausmachen. Neben dem Westturm befindet sich ein Treppenturm. Im Westjoch befindet sich über seiner gesamten Breite noch eine unterwölbte Empore aus der Erbauungszeit.

Außenbau+

Ursprünglich war die gesamte Südseite der Kirche frei und unverstellt, bis 1530 die erste Häuserreihe vor der Kirche entstand. Die Außenmauer und die Strebepfeiler der Kirche setzen auf einem Sockel an. Dies soll Niveauunterschiede ausgleichen. Die Proportionen der Außenwand sind aufeinander abgestimmt und ausgewogen. An der geplanten Nordturmostseite (jetzt Außenwand der Sakristei) findet man eine Inschrift zur starken Fundamentierung für den nie ausgeführten Turm. Der Text dokumentiert, dass dieses Fundament eine Tiefe von 6,5 Metern erreicht: der grunt ist in der erden XXII schuch Unterhalb der Fenster verläuft ein Wasserschlag, welcher auch um die Strebepfeiler herumgeführt wird und nur durch die Portaljoche unterbrochen wird. Hierdurch wird ein Viertel der Strebepfeiler „abgetrennt“. Die Stirnseite der Streben endet in einem konkaven Giebel. Hinter diesem Giebel verlaufen die Streben gen Wand mit Hilfe eines konkaven Pultdaches. Nach einem freibleibenden Mauerstreifen folgt ein Stabprofil, das sich unterhalb des abschließenden Gesimses befindet. Im Chorpolygon wird diese Wandgliederung beibehalten. Hier befindet sich auch die bereits erwähnte Inschrift der Grundsteinlegung. Auch kann man in einem Steinblock eine eingeritzte Sonnenuhr erkennen. Darüber befindet sich eine Nische mit einer Büste als Träger einer Konsole unter der Skulptur des Apostels Bartholomäus. Nachträglich wurden vier Kapellen zwischen den Strebepfeilern des Chores eingebaut. Zwei Kapellen stammen aus dem 16. Jahrhundert, die anderen beiden aus dem Jahr 1728.

Vier Portale führen über die Seitenschiffe in die Kirche; alle sind als Spitzbogenportale ausgeführt. Ebenfalls allen gleich ist ein Tympanonfeld mit sich darunter befindenden Spitzbogentüren. Das südwestliche Markt- und Männerportal trägt die Jahreszahl 1616, in der es renoviert wurde. Eine Heilige Maria aus Holz befindet sich vor dem Tympanon. Das Tympanon ist glatt gehalten. Das südöstliche Brautportal schmückt eine Madonna auf einer Konsole, welche sich unter einem Baldachin in Mitte des Tympanons befindet. Entgegen dem Männerportal wird das Tympanon hier von Blendmaßwerk mit Fischblasenformen geschmückt. Das Pfarrportal auf der Nordseite, auch als Lateinische Schultüre bezeichnet, ist renoviert. Es ähnelt in einigen Punkten der Gestaltung des Männerportals, zum Beispiel was das Vorzeichen angeht. Im Tympanon der nordwestlichen Frauentür ist ein Spitzbogenfenster vorhanden. Die Fialenpfeiler entsprechen denen des Brautportals. Neben dem Nordturm befindet sich eine kleine Spitzbogentüre, die Mesnertüre. Das Gewände entspricht dem des Sakristeieingangs im Chorumgang, es fehlt jedoch ein Tympanon.

Der geplante Nordturm ist jetzt als Sakristeigebäude an die Kirche angeschlossen. Es wird von einem Wasserschlag abgeschlossen, unter dem ein Fries verläuft. Alle drei Außenwände haben ein Spitzbogenfenster mit Eisenvergitterung. Über der Sakristei wurde nur das ausgeführt, was direkt an die Wand des Seitenschiffs anschließt. Erst im 16. Jahrhundert wurde der Raum über der Sakristei noch durch einen Fachwerk- und Ziegelaufbau nutzbar gemacht. Der jetzige Bau hat zu allen Seiten Fenster und besitzt ein einfaches Pultdach, wie das der Kirche. Die Westfassade hat südlich und nördlich vom Westturm Wandstücke mit gegiebelten Eckstrebepfeilern. Zwischen den Streben befindet sich ein Maßwerkfenster, welches entgegen allen anderen Fenstern erst in 10 m Höhe ansetzt. Nördlich vom Westturm befindet sich ein achteckiger Treppenturm, der sechs Geschosse zählt. Die ersten vier Stockwerke sind teilweise mit den Strebepfeilern zu einer Einheit geworden. Das Erdgeschoss kann von außen über eine Treppe erreicht werden. Die Geschosse 1 bis 4 zieren kleine Spitzbogenfenster, im fünften Geschoss befindet sich auch ein solches Fenster. Das sechste Stockwerk wird durch ein Gesims abgetrennt. Die freistehenden Seiten sind hier mit Blendfenstern versehen. Den Abschluss bildet ein Steinhelm mit Kreuzblume. Der 62 m hohe Westturm besitzt sechs unterschiedlich hohe Geschosse mit quadratischem Querschnitt. Darüber befindet sich eine heute als Aussichtsplattform genutzte Galerie mit umlaufender Balustrade und abschließend ein zweigeschossiges Oktogon. In den Jahren 1220/30 wurde der unterste Teil sowie das zweite, dritte und die Hälfte des vierten Geschosses erbaut. Im 14. Jahrhundert wurde dann das vierte Geschoss vollendet und das 5. Geschoss erbaut. Das sechste Geschoss wurde im 16. Jahrhundert angeschlossen, welches als Glockengeschoss den Abschluss bildet. Im Inneren des Turmes befindet sich noch ein Laufrad aus der Erbauungszeit des Turmes.

Ausstattung+
Altäre+

Hochaltar

Gegenüber der Orgel befindet sich der 1636 gestiftete Hochaltar, der 1642 fertiggestellt und während der Restauration 1856 durch neugotisches Schnitzwerk ersetzt wurde. Der heutige Hochaltar wurde 1892 errichtet und integriert das originale Altarbild, das eine gotische Kreuzigungsgruppe zeigt und um 1490 datiert wird. Hierbei fällt die Verbindung von Malerei und Plastik auf: Das Kruzifix tritt aus dem gemalten Altarbild hervor und teilt somit das Bild in vier Felder. Das Altarrelief zeigt den heiligen Georg mit Drachen und hat wie auch die Predella, Nürnberg und Dormitz zum Vorbild. Daneben (neugotisch) die Heiligen Aloisius und Elisabeth von Thüringen; oberhalb die Muttergottes. Neben der Kreuzigungsszene stehen die Nebenpatrone Ursula und Bartholomäus. Die Predella zeigt die Geburt Christi und die Anbetung der Könige.

Josephsaltar

Die gemalte Predella mit der heiligen Anna selbdritt, umgeben von Heiligen, stammt aus der Spätgotik um 1480/90. Neben diesem spätgotischen Teil gibt es vor allem auch neugotische Werke, wie den Altarschrein, welcher 1862 gefertigt wurde, und die Holzfiguren (Heilige Joachim, Anna mit Maria, Josef; außen: Johannes der Täufer und Stephanus; im Gesprenge Maria, Erzengel Michael und Georg).

Kreuzaltar

Zu erkennen sind fünf Figuren: Katharina, Florian und Agatha, umrahmt durch die Päpste Gregor und Urban. Auf den Flügelinnenseiten befinden sich vier Bilder: Verkündigung und Geburt Christi links, Beschneidung und Anbetung der Könige rechts. Gestiftet um 1470 stammt der Kreuzaltar als einziger aus der Zeit des Kirchenbaus; die Malereien stammen aus dem 15. Jahrhundert. Im 19. und im 20. Jahrhundert wurde er jeweils erneuert. Aufgebaut ist der Kreuzaltar neugotisch, jedoch verweisen die Holzplastiken und die Gemälde auf die Spätgotik.

Dreifaltigkeitsaltar

Wie auch beim Kreuzaltar sind in den neugotischen Aufbau spätgotische Figuren und Gemälde eingearbeitet. Gestiftet wurde der Altar im Jahre 1470 von den Gerbern und Schuhmachern der Stadt. Insgesamt kann man acht Schnitzfiguren ausmachen: Im Schrein die Heiligen Petrus, Kosmas und Damian sowie Georg, zu deren Seiten Laurentius und Sebastian und in Reliefform auf den Innenseiten der Flügel Valentin und Ursula. Die vier Bilder der Flügel zeigen Szenen aus dem Leben von Krispin und Krispinian, den Schutzpatronen der Stifter: Die Heiligen schenken den Armen Schuhe. Sie werden erschlagen oder mit kochendem Öl übergossen, bis ein himmlisches Feuer sie erlöst und ihre Verfolger bestraft.

Sebastiansaltar

Die Malereien des Sebastiansaltars werden auf 1520–1530 datiert. Das Hauptbild der Mitteltafel ist in drei Felder unterteilt, in der Mitte sieht man den heiligen Sebastian an einem Baum, umgeben von seitlich stehenden und knienden …

Du möchtest mehr über dieses Objekt erfahren?

Die vollständige Beschreibung gibt es mit Premium — dazu Offline-Pakete, Audio-Guide und hochauflösende Bilder.

  • Alle Beschreibungstexte, auch die der ~17.700 Premium-Objekte
  • Audio-Guide: Beschreibungen unterwegs vorlesen lassen
  • AR-Sucher: Objekte durch die Kamera sehen, mit Entfernung und Richtung
  • Unbegrenzte Merkliste

14 Tage kostenlos testen, danach ab 2,99 € im Monat. Jederzeit kündbar.

Schon Premium und trotzdem gesperrt?

Die Anmeldung gilt je Adresse. Auf mobilegeschichte.de musst du dich einmal separat anmelden — dein Premium gilt dann auch hier.

Anmelden

Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: Holger Uwe Schmitt · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Diese Beschreibung ist ein Auszug aus dem verlinkten Wikipedia-Artikel und stammt von dessen Autorinnen und Autoren. Sie steht wie das Original unter CC BY-SA 4.0 und darf unter denselben Bedingungen weiterverwendet werden.

Lage: 49.0694, 10.3198