Die Ruine kann besichtigt werden
Ruine Küssaburg
Die Küssaburg, auch Burg Küssaberg oder "Küssenberg" genannt, (vermutlich abgeleitet aus dem Römischen, "Cossinius"), ist die Ruine einer Gipfelburg auf in Bechtersbohl, ein Ortsteil der Gemeinde Küssaberg, im Landkreis Waldshut, Baden-Württemberg.
Die Höhenburg ist eines der bedeutendsten historischen Baudenkmäler am Hochrhein und ein Wahrzeichen des Landkreises Waldshut. Ihre Bauzeit wird zwischen den Jahren 1125 und 1141 vermutet. Die heutige Ruine war unter anderem in Besitz der Grafen von Küssenberg, des Bistum Konstanz und der Grafen von Sulz. Zerstört wurde die später zur Festung ausgebaute Burg durch einen von der Besatzung gelegten Brand am 8. März 1634 beim Herannahen der schwedischen Armee im Dreißigjährigen Krieg und durch einen Bergsturz am 25. Dezember 1664. Im 19. Jahrhundert begann die Freilegung der Burgruine, die seither ein beliebtes Ausflugsziel der Region ist.
Die Ruine liegt oberhalb der Ortschaft auf einer Höhe von etwa 634 Metern. Sie ist ein Wahrzeichen dieser Region und überblickt den Klettgau, der sich östlich der Burg erstreckt, und das Rheintal (Hochrhein). Man sieht sie außerdem vom Südschwarzwald und vom Aargau in der Schweiz.
Die genaue Entstehungsgeschichte ist unbekannt, doch wird spekuliert, dass der Küssenberg bereits von Kelten bewohnt war. Reste eines Steinwalls könnten Hinweise auf ein Oppidum, eine keltische Fluchtburg, sein. Außerdem wird vermutet, dass an gleicher Stelle vor etwa 2000 Jahren ein Wach- und Signalturm stand, um das Teilstück der römischen Heeresstraße von Tenedo (Bad Zurzach/Schweiz) bis Juliomagus (Schleitheim/Schweiz) zu sichern.
Erste urkundliche Belege über die Existenz der Burg, damals auch „Hochschloß“ genannt, stammen von 1141. Hier wird von dem Geschlecht des Freiherren beziehungsweise Grafen Heinrich von Küssenberg berichtet. Heinrich III. von Küssenberg, der letzte seines Stammes, verkaufte die Burg um 1240 an den Konstanzer Bischof Heinrich von Tanne.
Durch Erbanspruch des Grafen von Lupfen entbrannte ein Streit über den rechtmäßigen Besitz der Küssaburg durch das Hochstift Konstanz. Später wurde ein Vergleich getroffen, in dem der Bischof 1251 die Anlage endgültig behalten durfte und der Graf dafür Stühlingen zugesprochen bekam, das ebenfalls aus dem Besitz des Grafen Küssenberg stammte. Damit entstand um 1120 aus der Landgrafschaft Klettgau die Landgrafschaft Stühlingen.
Unter der Herrschaft des Bistums Konstanz, das zur Verwaltung der Burg einen Vogt einsetzte, wurde die Burg ausgebaut und mit einer Ringmauer befestigt. Der Burg und der östlich anliegenden Siedlung wurde im Jahre 1346 das Stadtrecht zugesprochen. Einige Gemeinden, die heute auch unter dem Namen Küssaberg zusammengefasst sind, waren zu dieser Zeit als „Küssenberger Schloß und Tal“ mit eingemeindet worden. Die Burg und das Anliegen wurden dann des Öfteren verpfändet. 1444 durch den Bischof von Konstanz, Heinrich von Hewen, an den Ritter Bilgeri von Heudorf. 1497 kauften die Grafen von Sulz, denen bereits Tiengen und der Klettgau gehörte, die Burg und die Vorstadt. Es wurde ein Preis von 6.000 Gulden gezahlt, und die Burg sollte solange von dieser Familie verwaltet werden, bis die männliche Erbfolge erloschen war.
Im Schweizerkrieg von 1499 waren die Küssaburg und die Stadt Tiengen völlig von den Eidgenossen zerstört worden. Die Besatzung der Küssaburg unter dem Kommando des legendären Remigius Mans, die, etwa 25 Mann stark, zum Größtenteil aus Bauern aus der Gegend bestand, meuterte, und zündete die Burg selbst an, damit sie den Feinden nicht in die Hände fallen konnte, und ergab sich einer Streitmacht von etwa 500 Eidgenossen, die über schwere Geschütze verfügte. 20 Meuterer wurden nach ihrem Rückzug in Waldshut hingerichtet. Nach dem Frieden von Basel wurde die ausgebrannte Burg an die Grafen von Sulz zurückgegeben. Die Stadt Tiengen blieb von Schaffhausen mehrere Jahre besetzt.
Die Klettgauer Bauern, die teils Leibeigene waren, litten unter der harten Abgabepflicht. Wer sich der Leibeigenschaft entzog, konnte sogar mit dem Verlust seiner gesamten Habe bestraft werden. Die Jahre 1524 und 1525 fielen in die Zeit, die von der Reformation und dem aufkommenden Selbstbewusstsein der Landleute geprägt war. Es wurde viel propagiert und die Menschen aufgehetzt; es mündete 1525 in den Deutschen Bauernkrieg. Die Klettgauer Bauern, militärisch schlecht ausgerüstet, unternahmen in diesem Jahr vier vergebliche Versuche, die von etwa 40 österreichischen Söldnersoldaten und anderen Burgbewohnern unter Graf Rudolf V. von Sulz besetzte Küssaburg zu stürmen. Die größte Schlacht erlebte die Burg am 4. November 1525, einem Samstag, um 15 Uhr. Stunden zuvor hatte das Bauernheer, verstärkt durch 200 Schweizer und ein Geschütz aus Waldshut, westlich von Grießen sich den 700 Landsknechten des Adels gestellt. Mit Hieb- und Stichwaffen ausgerüstet wagten sie den Sturm auf die Burg. Das aufständische Bauernheer konnte mit seinen Waffen aber bei weitem nicht so gut umgehen wie die Soldaten, die obendrein über Hakenbüchsen und Armbrüste verfügten. Die Chronik des Berners Valerius Anshelm berichtet, dass rund 200 Bauern umkamen und viele Häuser zerstört wurden: „Weiber und Kinder sind in der Nacht unter so jämmerlichem Schreien und Weinen gen Kaiserstuhl geflohen, dass man sie aus Erbarmen einlassen musste“. Auf dem Grießener Friedhof ging tief in der Nacht der ungleiche Kampf zu Ende, die Bauern mussten sich ergeben. Es war nicht nur das Finale des Bauernkriegs, sondern auch das Ende des Versuches, die Reformation im Klettgau einzuführen. Es folgte ein grausames Strafgericht. Die Soldaten aus Zürich wurden laufengelassen, doch dem Anführer der Bauern, dem Grießener Claus Wagner, wurden ebenso wie dem reformierten Pfarrer Hans Rebmann die Augen ausgestochen. Viele Bauern, die mit dem nackten Leben davonkamen, wurden Opfer der plündernden Soldateska, mussten Geldbußen entrichten oder wurden verstümmelt, indem man ihnen Finger abhackte.
Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0
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