Die Ruine kann besichtigt werden
Ruine Hayn (Dreieichenhain)
Die Burg Hayn, auch Hain oder Dreieichenhain genannt, ist eine hochmittelalterliche Burgruine in Dreieichenhain, einem Stadtteil der hessischen Stadt Dreieich, im Landkreis Offenbach.
Die Turmburg war der Sitz der Reichsvögte, welche im Auftrag des Kaisers von hier aus den Wildbann Dreieich verwalteten.
Ursprünglich stand zu Zeiten Kaiser Karl der Große an dieser Stelle lediglich inmitten eines wildreichen Urwaldes eine kleine Jagdhütte. 850 wird dieses Gebiet als in Urkunden als "Forestis Dreieich" bezeichnet. Auf altem Reichsgut war hier ab etwa 950 ein königlicher Jagdhof als Mittelpunkt des Wildbannforstes Dreieich entstanden. Der von Graben umgebene Königs- und Vogthof bestand aus mehreren Steinbauten, Pferde- und Hundeställen und einem (wahrscheinlich) zweistöckigen Herrenhaus, welches dem Kaiser als Unterkunft diente. Kaiser und ihr Gefolge verweilten hier, um im den Jagdhof umgebenden Wildbann zu jagen. Dreieichenhain wurde daher auch als "Des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation Hundestall" bezeichnet. Unter der heutigen Evangelischen Kirche befinden sich Grundmauern einer Kapelle aus dieser Zeit.
Vor dem Hintergrund des Reichsforstes Dreieich ist die Vermutung Karl Nahrgangs (1899-1967) als königlicher Jagdhof - in Verbindung mit der Pfalz Frankfurt - sicher richtig. Nicht gesichert ist allerdings, ob der Jagdhof in die ottonische Zeit, also ins 10. Jahrhundert oder in die Zeit der Salier, also in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts gehört. Diese frühe Datierung in die karolingische und ottonische Zeit wird nach neuesten Erkenntnissen von Fachleuten heute bezweifelt. . Auch Karl Nahrgang hat diese, seine eigene Theorie in seiner letzten - 1970 posthum erschienenen - Veröffentlichung vorsichtig selbst korrigiert.
Der Sage nach soll das alte Jagdhaus von Karl dem Großen begründet worden sein. Das Hengstbach-Tal soll ihm so gut gefallen haben, dass er beschloss, hier sein Jagdhaus zu errichten. Karls vierte Ehefrau Fastrada soll einen Zauberring besessen und hier in den Burgteich versenkt haben. Der Kaiser sei dadurch an dieses Jagdhaus im Hain magisch gebunden gewesen und machte es zu seinem Lieblings-Jagdplatz.
Urkundlich erwähnt wird 1076 Eberhard von Hagen, der erste Vogt der Dreieich und enger Vertrauter Kaiser Heinrichs IV.. Mit der Übernahme seines Vogtamtes nannte sich Eberhard und seine Nachkommen von Hagen. Hagen bedeutet im althochdeutschen so viel wie "umschlossener Hof". Dieser erbaute um 1080 einen fünfstöckigen salischen Wohnturm auf einer kleinen Insel (30 x 40 m) im Hengstbach am Jagdhof. Der Wohnturm hatte im Untergeschoss eine Mauerdicke von 2,80 m auf einer Fläche von 12,50 x 13,20 m. Die Höhe betrug ca. 25 m. Umgeben war der Wohnturm von hohen Ringmauern und einem breiten Wassergraben. Eine Wand (22 m) ist noch bis heute erhalten. Der Wohnturm stürzte 1750 in sich zusammen. Aus diesen Steinen wurde in Neu-Isenburg 1773 eine Kirche für die von den Grafen von Isenburg gegründete Hugenotten Siedlung errichtet. Die Reste des Wohnturmes zählen in Deutschland heute zu den besten erhaltenen Profanbauten aus der Salierzeit.
Die zur Stammburg der einflussreichen Herren von Hagen-Münzenberg gewordene Burg wurde bis 1180 zur Regierungszeit der Hohenstaufen zur Reichlehenburg ausgebaut. Der Wohnturm wurde in eine Burgmauer einbezogen. Hinzu kamen ein runder Bergfried, ein romanischer Palas und eine Kapelle. Die Burgmauer wurde von einem breiten Wassergraben umzogen. Zum Schutz der Burg wurden Burgmannen angesiedelt. Deren Hofreiten entstanden außerhalb der Burg. Neben der Burg entstand ein Fronhof (heute Restaurant Faselstall) mit Zwingern für Jagdhunde. Im Mittelalter wurde Dreieichenhain ironisch daher auch als "Des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation Hundestall" bezeichnet. Eine Stadtmauer mit Wall und Graben umschloss die entstehende Stadt. Das romanische Stadttor - die spätere Mittelpforte, heute nicht mehr existierend - war der einzige Zugang zu Burg und Stadt.
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