Antike BautenMichelstadt - Würzberg

Römisches Kastell Würzberg

Römisches Kastell Würzberg

Die Reste des römischen Kastells können besichtigt werden

Das Kastell Würzberg (in der älteren Literatur auch Kastell Hainhäusel oder Kastell Hainhaus) war ein römisches Numeruskastell der älteren Odenwaldlinie des Neckar-Odenwald-Limes. Das heutige Bodendenkmal liegt südlich von Würzberg, einem etwas abgelegenen Ortsteil von Michelstadt im hessischen Odenwaldkreis.

Das Bodendenkmal Kastell Würzberg liegt etwa zweieinhalb Kilometer südlich des gleichnamigen Ortes, auf einer Lichtung am nördlichen Rande des Waldes, der sich zwischen Würzberg und Bullau, der südlich nächstgelegenen Ortschaft erstreckt. Topografisch befindet es sich in rund 525 Höhenmetern auf einem den Odenwald von Norden nach Süden durchziehenden Bergrücken. Das Gelände, auf dem sich das Bodendenkmal unmittelbar befindet, ist in zwei Richtungen schwach geneigt. Es fällt von der ehemaligen West- zur Ostseite des Kastells wie auch von seiner Nord- zur Südseite um jeweils etwa einen Meter ab.

Forschungsgeschichte+

Möglicherweise ist der Kastellplatz identisch mit der in einer Beschreibung der Mark Michelstadt von 819 erwähnten Wllineburch respektive der in einer Urkunde über den Lorscher Wildbann 1012 so bezeichneten destructa Vullonoburg. Eine erste zuverlässige Beschreibung datiert aus dem Jahre 1736. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Kastell von Johann Friedrich Knapp (1776–1848) im Auftrag des Grafen Franz I. zu Erbach-Erbach (1754–1823) mit den Methoden der damaligen Zeit untersucht. Erste wissenschaftliche Ausgrabungen wurden 1895 durch die Reichs-Limeskommission unter der örtlichen Grabungsleitung von Friedrich Kofler durchgeführt. 1963 folgte eine weitere archäologische Untersuchung durch das Saalburgmuseum unter der Leitung von Dietwulf Baatz (1928–2021). Diese Grabungen und die hieraus resultierende Publikation waren zusammen mit den Ausgrabungen im benachbarten Kastell Hesselbach wegweisend und ermöglichten analoge Rekonstruktionen weiterer Numeruskastelle des Odenwaldlimes.

Das Kastell Würzberg gilt als eines der am besten erhaltenen Numeruskastelle des Odenwaldlimes. Die Konturen der Kastellumwehrung sind im nicht überbauten Gelände noch heute gut zu erkennen. Die Fundamente des Kastellbades und Teile des aufgehenden Mauerwerks sind konserviert und vermitteln so einen umfassenden Eindruck von der Struktur eines solchen Bauwerks.

Befunde+
Kastell+

Das Kastellgelände erstreckt sich über eine Fläche von rund 6.000 Quadratmetern und entspricht damit der typischen Größe eines Numeruskastells im Odenwald. Die Ummauerung war in Form eines ungleichmäßigen Vierecks ausgeführt. Die Prätorialfront (Vorderseite) maß 72,03 m, die Länge der Rückfront betrug 74,10 m. Die Mauer auf der linken, nördlichen Seite war 81,03 m, die auf der rechten, südlichen Seite 80,63 m lang. Die Stärke des Fundaments betrug 1,25 m, die des aufgehenden Mauerwerks 90 cm bis 95 cm. Die Umwehrung war mit insgesamt vier Zugängen ausgestattet. Das Haupttor (Porta praetoria) war zum Limes hin ausgerichtet. Das rückwärtige Lagertor (Porta decumana) existierte lediglich in Form einer kleinen Schlupfpforte, die vermutlich nur in der ersten Bauphase benutzt und später zugemauert worden war. Die abgerundeten Ecken der Mauer waren nicht mit Wehrtürmen versehen. Während Kofler noch davon ausgegangen war, dass auch die Tore keine Wehrtürme besaßen, kam Baatz zu dem Ergebnis, dass sowohl die Porta praetoria als auch die Porta principalis sinistra (linkes Seitentor) und die Porta principalis dextra (rechtes Seitentor) vermutlich über Tortürme analog dem Hesselbacher Kastell verfügten, verlangte aber zur endgültigen Klärung weitere Grabungen. Vor der Umwehrung lag, im Anschluss an eine 50 bis 80 cm breite Berme, ein rund sechs Meter breiter Graben (Fossa), dessen Tiefe nur einen Meter unter das Niveau der Berme reichte. Er war in Form einer so genannten Fossa punica ausgeführt, das heißt: die dem Feind zugewandte Grabenwand war deutlich steiler abgetieft als die dem Lager zugewandte.

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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: Von Presse03 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4807252

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Lage: 49.6342, 9.0753