Die Therme kann besichtigt werden
Römische Kaiserthermen Augusta Treverorum (Trier)
Die Kaiserthermen in Trier sind die Überreste einer großflächigen römischen Badeanlage, die heute noch als eindrucksvolle Ruine besichtigt werden kann. Die erhaltenen Apsiden zeigen noch die römische Bauweise aus Lagen von hellem Stein und roten Ziegeln (sog. Ziegeldurchschuss), die neben Stabilität auch ästhetischen Zielen diente. Dieser Stil wurde in Trier nicht nur für die Kaiserthermen eingesetzt und unter anderem beim Bau des mittelalterlichen Frankenturms kopiert.
Seit 1986 sind die Kaiserthermen Teil des UNESCO-Welterbes Römische Baudenkmäler, Dom und Liebfrauenkirche in Trier, des Weiteren sind sie ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention.
Errichtet wurde die Anlage um und nach 300 n. Chr. als ein monumentaler Repräsentationsbau der Kaiser Constantius Chlorus und seines Sohnes Konstantin, die Trier zu ihrer Residenz gemacht hatten. Die Thermen erheben sich etwa südlich der Mitte des kaiserlichen Palastbezirkes, der sich vom Bereich des Domes (ehem. Palast) über den Kernbau des mächtigen Ziegelbaus der Konstantinischen Palastaula bis zum Tempelbezirk im Altbachtal und dem Amphitheater (das gleichzeitig in die römische Stadtmauer integriert war) erstreckte.
Der Ort dieses Bauwerkes und seiner Vorgänger wurde wahrscheinlich gewählt aufgrund seiner guten Wasserversorgung durch Altbach und Herrenbrünnchen sowie durch die spätere Ruwerwasserleitung vom Petrisberg über zwei Aquädukte. Das belegen auch zahlreiche Funde von Holzrohrleitungen, Bleirohren, Trinkwasserkanälen und Brunnen. Aus dem 1. bis 3. Jh. stammen auch drei große Wasserbecken, die auf dem Gelände der späteren Thermen lagen.
Die Kaiserthermen bilden auch den östlichen Abschluss der Mittelachse (decumanus maximus) des römischen Straßensystems in der Augusta Treverorum, beginnend an der Römerbrücke mit der porta inclyta (heute etwa im Bereich Wall-/Bollwerkstraße) über das Forum mit dem Palast des Victorinus (heute Bereich Rathaus/Augustinerhof).
Der Thermenbau bestand unter anderem aus einer freitragenden Halle ähnlich der Konstantinbasilika, die dieser in Größe kaum nachstand. Dem römischen Standard bei solch großen Gebäuden entsprechend wurde eine Vielzahl von Kellergängen zum Beheizen und Entwässern unterhalb der Anlage angelegt. Der Durchmesser der Betonkuppel über dem Tepidarium betrug 16,45 m.
Anhand dieser Gänge und Versorgungsinfrastruktur konnte festgestellt werden, dass die Innenausstattung und technische Ausrüstung der Badeanstalt in den Thermen jedoch nie vollendet und somit der Badebetrieb auch nicht aufgenommen wurde. Nach der Verlegung von Konstantins Amtssitz nach Byzanz blieb der Rohbau unter Konstantin II. ungenutzt und begann zu verfallen, bis Kaiser Valentinian (364-375) um das Jahr 360 die Anlage in eine Kaserne umbauen ließ. Die neue Kaserne bot Platz für etwa 800 bis 1.000 Mann der berittenen kaiserlichen Leibgarde. Die riesige freitragende Westhalle wurde abgerissen und die unterirdischen Anlagen im Westteil des Gebäudes zugeschüttet. Übrig blieben das ehemalige Caldarium (Warmbad), also der Ostsaal mit seinen drei Apsiden und dessen Vorraum, die mit Säulenhallen umgeben fortan als Gerichtssitz und Justizforum dienten.
Nach Ende der Römerzeit wurden die Thermen wie auch die Barbarathermen, die Porta Nigra, die Palastaula und der Dom von der Bevölkerung wenigstens teilweise weiterbenutzt. Die Kaiserthermen dienten als eine Art Burg, in deren Schutz sich im Zentrum des Hofes eine kleine Siedlung entwickelte (Alt-St.-Gervasius). Als die Einwohnerzahl im Frühmittelalter bis auf einen Bruchteil der alten Kaiserstadt zurückging, wurde das städtische Areal von ca. 285 Hektar zu groß für eine erfolgreiche Verteidigung. Unter Erzbischof Bruno von Lauffen (1102-1124) wurde im Süden die neue Stadtmauer vom Moselufer bis zu den Kaiserthermen errichtet und die Süddteile der Stadt inklusive des alten römischen Mauergürtels, der etwa auf der Höhe der heutigen "Töpferstraße" verlief, dem Verfall preisgegeben. Es folgten die Bauten der östlichen und nördlichen Stadtmauer unter den Erzbischöfen Albero (1131-1152) und Arnold II. von Isenburg (1242-1259). Noch heute sind Teile dieser Stadtmauer im Bereich der Süd-, Ost- und Nordallee erhalten. Ost- und Südmauer treffen beim ehemaligen Caldarium der Kaiserthermen zusammen, das nun als südöstlicher Eckpfeiler (Torburg) in den Mauerbering der mittelalterlichen Stadtmauer einbezogen war.
Da im Mittelalter oftmals immer wieder auf vorhandenen Schutt gebaut wurde, so dass der Grund um mehrere Meter gestiegen war (an den Kaiserthermen und der Porta Nigra besonders deutlich zu sehen), konnte das Fenster in der Südapsis als Stadttor ("Altport") benutzt werden. Die viel größeren römischen Fensteröffnungen wurden zugemauert und durch kleinere Schießscharten ersetzt. Im ehemaligen Caldarium - jetzt "Torburg" - residierte der Burggraf als Inhaber des städtischen Militärkommandos.
Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0
Die Beschreibung stützt sich auf die im verlinkten Wikipedia-Artikel belegten Fakten; Wikipedia-Inhalte stehen unter CC BY-SA 4.0. Formulierung und Bearbeitung: Mobile Geschichte.
Lage: 49.7497, 6.6422