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Marienkapelle

Marienkapelle

Der Sakralbau kann besichtigt werden

Die Marienkapelle in Würzburg ist ein gotischer Kirchenbau aus dem 14. Jahrhundert an der Nordseite des Unteren Marktes. Trotz ihrer Größe ist sie kirchenrechtlich eine Kapelle, da der von der Bürgerschaft errichtete Bau nicht mit pfarrkirchlichen Rechten ausgestattet wurde. Heute ist die Kapelle eine Nebenkirche der vereinigten Pfarreien Dom und Neumünster.

Die Entstehungsgeschichte der Marienkapelle ist eng mit der Vernichtung der ehemals florierenden jüdischen Gemeinde Würzburgs verknüpft. Ein im Pestjahr 1349 ausgestreutes Gerücht, die Juden seien durch Brunnenvergiftungen schuld am Ausbruch der Pest, führte am 21. April 1349 zu einem Pogrom, bei dem Würzburger Juden ermordet, das Judenviertel geschleift und die Synagoge niedergebrannt wurde. Bald nach dem Pogrom wurde an der Stelle der zerstörten Synagoge der Bau einer Marienkapelle aus Holz begonnen, unter deren Sakristei sich die Reste einer Mikwe erhalten haben sollen. Hinter der Marienkirche befand sich bis ins Spätmittelalter das Seelhaus „zur Elenden Ruh“, von Friedrich von Steren, einem Domherrn im Neumünster, wohl 1379 gestiftet. Mit Geld- und Sachspenden der Würzburger Bürger wurde 1377 mit dem Bau der jetzigen Marienkapelle begonnen. Nach der Bauinschrift an der äußeren südlichen Seite des Langhauses legte Bischof Gerhard von Schwarzburg am 16. Mai 1377 den Grundstein zur heutigen Kirche. Der Chor, mit dessen Bau vermutlich bereits einige Jahre zuvor begonnen wurde, soll am 15. August 1392 geweiht worden sein. Das Langhaus der Kirche muss 1441 größtenteils fertiggestellt gewesen sein, da der aus dem Würzburger Dom vertriebene Bischof Sigismund von Sachsen die Marienkapelle für kurze Zeit als Kathedralkirche verwendete. Ebenfalls 1441 wurde an der Nordwestecke mit der Errichtung des 70 Meter hohen Turmes als weitgehend eigenständiger Bau begonnen. In der ursprünglichen Planung war der Turm offenbar nicht vorgesehen; er entstand erst durch den Bedeutungswandel zur Rats- und Bürgerkirche als rein städtisches Vorhaben, welches 1479 abgeschlossen war. Im Jahr 1460 malte Konrad Gümplein den heiligen Christopherus, der vor dem jähen Tod bewahren sollte, in riesigem Format an die Kirchenwand.

Schon 1527 befand sich der Kirchenbau in einem schlechten Zustand; ab 1556 bis 1558 fanden Bauarbeiten am Turm statt. Ab 1616 wurde die Westempore im Innenraum eingezogen und Anfang des 18. Jahrhunderts wurden die Dächer erneuert. Im Rahmen dieser Baumaßnahme bekam der Turm 1713 eine welsche Haube mit der vom Goldschmied Martin Nötzel nach einer Vorlage von Jakob van der Auwera (1672–1760) gefertigten bekrönenden Marienfigur. Die 3,45 Meter hohe goldene Doppelmadonna dreht sich mit Hilfe einer drehbaren Eisenkonstruktion wie eine Wetterfahne. Jakobs Sohn, Johann Wolfgang van der Auwera, hatte für die Marienkapelle eine goldgefasste Statue eines trauernden Engels geschaffen, die jedoch im 19. Jahrhundert wieder entfernt und ins Mainfränkische Museum verbracht wurde. Die Marianische Bürgersodalität, welche zuvor in St. Michael ansässig war, wurde 1796 in die Marienkapelle verlegt. Die Würzburger Rosenkranzbruderschaft trifft sich seit 1805 (nach Aufhebung des Dominikanerordens) in der Marienkapelle. Bereits im 15. Jahrhundert gab es in der Marienkapelle eine Bruderschaft St. Jakobus und St. Sebastian. Sie hatte 1469 das gesamte Vermögen eines Heinz Meisenbach – unter Enterbung seiner Ehefrau – vermacht bekommen. Die Marienkapelle selbst hatte zum Beispiel 1451 das gesamte Hab und Gut der Eheleute Kunigunde und Hans Haßpel geerbt. Unter der Leitung des Münchner Bildhauers Andreas Halbig fanden in den Jahren von 1843 bis 1853 umfangreiche Restaurierungsarbeiten statt. Beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 wurde die Kapelle schwer beschädigt und brannte vollständig aus; zahlreiche Kunstwerke gingen verloren. Ende der 1660er Jahre geschaffene Altäre waren bereits im 18. und 19. Jahrhundert verschwunden. Der Wiederaufbau erfolgte unter der Leitung von Eugen Altenhöfer in den Jahren 1948 bis 1961. Dabei wurden, teilweise unter Verwendung verwertbarer Überreste, die Pfeiler und das Gewölbe neu aufgemauert und der Innenraum modern gestaltet. Als eine der letzten im Krieg zerstörten Würzburger Kirchen wurde die Marienkapelle von Bischof Josef Stangl am 20. März 1962 geweiht. 1996–2003 erfolgte eine Generalsanierung.

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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: DXR · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

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Lage: 49.7948, 9.9296