Pfarrkirche
Kollegiatstift Haug

Mit Stift Haug wird die im Stadtteil Haug (auch Hauger Viertel genannt) gelegene Pfarrkirche St. Johannes in Würzburg bezeichnet, die dazugehörige Pfarrei als St. Johannes in Stift Haug. Die ehemalige Stiftskirche gehörte bis zur Säkularisation 1803 zum Kollegiatstift Haug. Die Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten geweihte Kirche wurde 1691 nach Plänen von Antonio Petrini fertiggestellt. Die beiden Türme des Stifts Haug sind mit einer Höhe von 75 Metern die zweithöchsten Kirchtürme in Würzburg.
Vorläuferbau+
Das Kollegiatstift St. Johann zu Haug lässt sich auf die 1002 erwähnte Gemeinschaft der „Herren vom Berg“ zurückführen, der Name auf houc → Haug → Hügel. Das ursprünglich um 1000 gegründete und durch seinen Bauherrn, den Bischof Heinrich I. von Würzburg geweihte Stift Haug befand sich nördlich der Stadtmauer, am Ort des heutigen Bahnhofsgeländes einige hundert Meter nördlich des heutigen Standorts. Im 14. Jahrhundert lehrte der aus Schwäbisch Hall stammende Mediziner und Wimpfener Kanoniker Berthold Blumentrost als Scholastiker in Würzburg, wo er 1326 als Stiftsherr zu St. Johannes in Haug eine zusätzliche Kanonikatsstelle erhalten hatte. Um Platz für die barocke Stadtbefestigung zu machen, ließ der damalige Fürstbischof das Stift 1657 an der alten Stelle abreißen und am heutigen Platz neu bauen.
Neue Stiftskirche+
1670 bis 1691 schuf Antonio Petrini, dessen Hauptwerk der Hauger Kirchenbau ist, die Synthese zwischen mitteleuropäischer Doppelturmfassade und römischer Kuppelanlage, deren schlanke Türme mit der wuchtigen, schiefergedeckten Kuppel ein weithin das Stadtbild prägendes Element bilden. Die große, vom Petersdom inspirierte Vierungskuppel steigt bis zu einer Höhe von 60 Metern auf. An der höchsten Stelle im Inneren der Kuppel ist in einem Strahlenkranz das Symbol des Heiligen Geistes, die Taube, erkennbar. Die Auflösung von Wandgrenzen durch Arkaden geht auf eine Idee von Donato Bramante zurück, der eine solche um 1480 im Innenraum der Kirche Santa Maria presso San Satiro in Mailand verwirklicht hatte. Petrini war der führende Baumeister des Barock in Franken in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und seine Hauger Stiftskirche war der erste monumentale Barockbau nach dem Dreißigjährigen Krieg in Würzburg.
Pfarrkirche+
1803 wurde das Stift Haug im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Die Stiftskirche wurde Pfarrkirche.
Renovierung nach Bombardierung+
Nachdem beim Bombardement und dem nachfolgenden Stadtbrand vom 16. März 1945 die ehemalige, vor allem ab etwa 1690 entstandene glanzvolle Innenausstattung mit Holzaltären, Chorgestühl, Skulpturen- und Gemäldeschmuck, Kanzel und Orgel verbrannte (darunter die meisten Werke von Michael Rieß, Johann Caspar Brandt (1652–1701) und Oswald Onghers), wirken nach dem Wiederaufbau die kühle Proportion und helle Weite der wuchtigen Architektur Petrinis beeindruckend. Im Jahr 2005 wurde die Komplettrenovierung des Innenraums abgeschlossen. Von der alten Ausstattung blieben nur am südwestlichen Vierungspfeiler Reste erhalten: das 1705 vom Stiftskapitel in Auftrag gegebene und 1708 vollendete, mit Lahnmarmor und weißgelbem Alabaster ausgestattete Denkmal für den Stiftsgründer Bischof Heinrich I.
Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: Lukas M. ( Benutzer:Renredam ) · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
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Lage: 49.7979, 9.9359