Gefängnis
Festung Hohenasperg

Die Festung Hohenasperg war von 1535 bis 1693 eine aktive Festung des Landes Württemberg auf dem Asperg, auch Hohenasperg genannt, bei der Stadt Asperg im heutigen Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Sie dient seit Anfang des 18. Jahrhunderts als Gefängnis, in dem bis 1945 auch viele prominente politische Gefangene inhaftiert waren. Seit 1968 ist es ein Vollzugskrankenhaus der baden-württembergischen Justiz.
Berg Asperg+
Die Festung Hohenasperg liegt auf dem 357,4 m ü. NHN hohen Schilfsandstein-Gipfelplateau (Stuttgart-Formation) des Aspergs, einer isolierten Erhebung etwa 4 km westnordwestlich von Ludwigsburg im Großraum Stuttgart. Der Keuper-Berg mit steilen Abhängen und einem annähernd dreieckigen, rund sechs Hektar großen Plateau auf der Wasserscheide zwischen dem Enztal im Westen und dem Neckartal im Osten ist durch seine dominante Lage rund 100 Meter über dem sonst nur mäßig hügeligen Umland weithin sichtbar. Er bot sich für den Bau einer Festung an. Die Hänge im Osten und Norden sind bewaldet; nach Westen zu schließt sich der schmale, etwa zwei Kilometer lange, anfangs 310–300 m ü. NHN hohe Hügelrücken Hurst an. Auf der terrassierten Südflanke wird Wein angebaut. Unter den Weinbergen liegt die Kleinstadt Asperg in einer sich von West nach Ost ziehenden natürlichen Mulde, jenseits derer auf dem sie gegenüber begrenzenden Hügelrücken im Süden der nur 317,4 m ü. NHN hohe Grabhügel Kleinaspergle steht.
Geschichte+
Schon in der Steinzeit bewohnt, war der Hohenasperg in vorchristlicher Zeit, um 500 v. Chr. keltischer Fürstensitz mit einer Fluchtburg.
Zahlreiche keltische Grabstätten in der näheren Umgebung sind so ausgerichtet, dass sie freie Sicht auf den Hohenasperg bieten, beispielsweise das große Hügelgrab bei Hochdorf oder die Grabstätte an der Katharinenlinde bei Schwieberdingen. Einen ganz besonders guten Blick auf den Hohenasperg bietet das am südlichen Rand von Asperg liegende Kleinaspergle, von dem seit einer Grabung im Jahre 1879 bekannt ist, dass es sich um ein keltisches Hügelgrab handelt. Um 500, nach dem Sieg der Franken über die Alemannen, wurde der Hohenasperg fränkischer Herrensitz und Thingstätte. Der damalige Name war „Ascisberg“. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Asperg bereits 819, als der Gaugraf Gozberg seinen dortigen Besitz dem Kloster Weißenburg im Elsass schenkte. Größere Bedeutung erlangte der Ort aber erst im 13. Jahrhundert mit der Gründung der bis 1909 selbstständigen Stadt Hohenasperg. 1510 erhielt auch Asperg das Stadtrecht. 1519 kam es durch Truppen des Schwäbischen Bundes unter Georg von Frundsberg zur Belagerung des Hohenaspergs, wo sich Herzog Ulrich von Württemberg aufhielt. Am 12. Mai 1525 wurde der Bauernführer Jäcklein Rohrbach vom Burgvogt des Aspergs gefangen genommen und dort bis zur Auslieferung an den Truchsess von Waldburg festgesetzt. Ab 1535 wurde der Berg als Festung ausgebaut, die Bewohner wurden an den Fuß des Berges umgesiedelt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg 1634 bis 1635 von einer württembergisch-protestantischen Besatzung, verstärkt durch schwedische Truppen, gegen eine Belagerung durch kaiserliche Truppen verteidigt. Die Belagerung endete mit der Übergabe an die kaiserlichen Truppen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg ging die Festung wieder in württembergischen Besitz über. Im Jahr 1675 ließ Herzog Wilhelm Ludwig das Eingangsportal zur Festung, das Löwentor, im Stil des Frühbarock als einzigen Zugang zur Festung errichten. Über dem Torbogen befindet sich eine Inschrift, die Jahreszahl und das vierteilige herzogliche Wappen. Während des Pfälzischen Erbfolgekrieges in den Jahren 1688 und 1693 wurde der Hohenasperg durch französische Truppen besetzt, danach verlor die Anlage ihre Bedeutung für die Landesverteidigung und wurde Garnison und Staatsgefängnis. 1718 wurde Asperg in das Oberamt Ludwigsburg eingegliedert, aber bereits 17 Jahre später wieder Sitz eines eigenen Amtes. 1781 erfolgte dann die endgültige Eingliederung in das Oberamt Ludwigsburg.
Bereits seit mehreren Jahrhunderten wird die Festung Hohenasperg als Haftanstalt genutzt. Heute befinden sich dort das Justizvollzugskrankenhaus Hohenasperg sowie die Sozialtherapeutische Anstalt Baden-Württemberg.
Burgvögte Gouverneure und Kommandanten+
Gefangene auf dem Asperg+
Der Hohenasperg wurde vom späten Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert nahezu ununterbrochen als Gefängnis für verurteilte Straftäter wie auch für politische Gefangene verwendet. Diese Nutzung führte zu dem Bonmot, dass der Asperg „Württembergs höchster Berg“ sei: Es dauere nur fünf Minuten, um hinauf zu kommen, aber Jahre, um wieder herunter zu gelangen. Aufgrund der vielen vom 18. bis ins 20. Jahrhundert, meist aus politischen Gründen, dort inhaftierten Intellektuellen nannte man die Festung auch „Hausberg der schwäbischen Intelligenz“. Andere Bezeichnungen im Volksmund waren Demokratenbuckel, Tränenberg, Demagogenherberge und der Satz „Auf den Bergen wohnt die Freiheit, auf dem Asperg aber nicht“.
Heiliges Römisches Reich+
Einer der ersten Gefangenen war Hartmann I. von Grüningen. Nach seiner Gefangennahme am 6. April 1280 wurde er auf dem Hohenasperg inhaftiert, wo er nach einem halben Jahr Haft verstarb. Infolge des privat motivierten Mordes Ulrich von Württembergs an seinem Stallmeister Hans von Hutten kam es zu harten Kämpfen innerhalb der adligen Führungsschichten, in deren Folge auch der Vogt von Weinsberg, Sebastian Breuning, der Vogt von Tübingen, Konrad Breuning, sowie der Vogt von Cannstatt, Konrad Vaut, am 20. November 1516 verhaftet wurden. Die durch Folter erpressten Geständnisse zur Anklage einer konstruierten Majestätsbeleidigung führten zum Justizmord durch Hinrichtung am 11. Dezember 1516. 1737 wurde Joseph Süß Oppenheimer, Finanzberater des württembergischen Herzogs, Opfer eines Justizmordes. Er wurde sieben Monate auf dem Hohenasperg inhaftiert und 1738 in Stuttgart hingerichtet. Am 16. September 1756 ließ Herzog Carl Eugen die Kammersängerin und Vertraute seiner Ehefrau, Marianne Pirker, und deren Ehemann verhaften. Sie hatte den Fehler gemacht, Elisabeth Friederike Sophie von Brandenburg-Bayreuth offen von den Seitensprüngen ihres Gatten zu berichten. Nach anderthalb Monaten Haft auf der Festung Hohentwiel wurde sie auf den Hohenasperg verbracht, wo sie bis Ende 1764 inhaftiert blieb. Der Tübinger Oberamtmann Johann Ludwig Huber hatte in einer Versammlung die Bürger seiner Stadt dazu aufgefordert, ihre Zustimmung zu einer von Herzog Carl Eugen für militärische Zwecke geplanten Vermögenssteuer zu verweigern. Daraufhin wurde er am 21. Juni 1764 verhaftet und ohne Verhör oder förmliche Verurteilung auf den Hohenasperg gebracht, wo er ein halbes Jahr verblieb. Über dreißig Jahre später erinnerte sich Huber an diese Zeit:
„Wir sind unschuldige Leute: aber sind als Rebellen hieher gebracht, weil wir behauptet haben und izt noch behaupten: daß das bekannte Steuer-Projekt unrechtmäßig, unmöglich und unausführbar sei.“ Weit über die Grenzen Württembergs hinaus wurde der Asperg bekannt, als der Dichter Christian Friedrich Daniel Schubart hier von 1777 bis 1787 ohne Verhör, Anklage oder Urteil inhaftiert war. Zur Erinnerung an ihn fand 1939 in den Kasematten eine Ausstellung zu seinem 200. Geburtstag statt. Außerdem ist der Gastronomiebetrieb (Schubart-Stuben) auf dem Hohenasperg nach ihm benannt. Schubarts Schicksal vor Augen, verfasste Friedrich Schiller sein Drama Die Räuber – und entging selbst einer möglichen Festungshaft auf dem Hohenasperg durch Flucht nach Mannheim in der benachbarten Kurpfalz.
19. Jahrhundert+
Wegen revolutionärer Umtriebe, welche nicht nachgewiesen werden konnten, waren im Jahr 1800 neben anderen die Landtagsabgeordneten Victor Hauff, Bürgermeister in Tübingen, und Christian Friedrich Baz, Bürgermeister in Ludwigsburg, als Staatsgefangene des Herzogs und späteren Königs Friedrich inhaftiert. Danach befanden sich vor allem Deserteure, Militärsträflinge und „Separatisten“ aus dem Umfeld der radikalpietistischen Gruppe von Rottenacker auf dem Hohenasperg. Von den Revolutionären der Franckh-Koseritz’schen Verschwörung war u. a. Georg David Hardegg von 1833 bis 1840 auf dem Hohenasperg inhaftiert. Weitere Inhaftierte auf dem Hohenasperg waren der Schriftsteller Berthold Auerbach, der 1837 für zwei Monate einsaß, der Nationalökonom Friedrich List (1824/1825), der Fabrikant Jakob Friedrich Kammerer (1833), der Arzt und Dichter Theobald Kerner (1850–1851), der Theologe Karl von Hase, der Satiriker Johannes Nefflen, der Dichter Leo von Seckendorff, der Schriftsteller Theodor Griesinger und zahlreiche weitere, meist politische Häftlinge, die in der Regel wegen ihrer antimonarchistischen Haltung ins Gefängnis kamen. Im Rahmen der Nationalbewegung von 1848/49 wurden vermehrt Personen auf dem Hohenasperg inhaftiert. Einer der ersten war der Redakteur der radikalen Heilbronner Zeitung Neckar-Dampfschiff, Adolph Majer, der in einer öffentlichen Versammlung den gewaltsamen Umsturz der Regierung gefordert hatte. Angesichts der steigenden Anzahl nur kurzfristig festgehaltener politischer Untersuchungsgefangener installierte das Innenministerium im Oktober 1848 ein eigenes Untersuchungsgericht auf der Festung. Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 waren kurzfristig fast 900 französische Kriegsgefangene auf dem Hohenasperg interniert. 1887/88 wurde auf dem Areal der Festung Hohenasperg ein Wasserturm errichtet, der heute Antennen für den Polizeifunk trägt. Seit 1894 befindet sich auf dem Hohenasperg ein Gefängnis für den zivilen Strafvollzug.
20. Jahrhundert+
Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus im Frühjahr und Sommer 1933 wurden zahlreiche katholische, sozialdemokratische und kommunistische Hitlergegner inhaftiert und gefoltert.
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Lage: 48.9103, 9.1383